Bibel & Gleichnisse

Das älteste Glaubensbekenntnis aus der Bibel ausgelegt

Author: AlexanderWenn du ein Roboter bist, klicke bitte diesen Link an: Falle!

Steht das Glaubensbekenntnis in der Bibel? Gegenfrage: Welches? Erstaunlicherweise gibt es viele Glaubensbekenntnisse. Nicht alle, im Grunde kein Bekanntes, steht in der Bibel. Gibt es denn gar kein Glaubensbekenntnis in der Bibel?

Doch. Aber es wird nicht als offiziellen Bekenntnis verwendet.

Klingt verwirrend, ich weiß. Das liegt allerdings daran, dass die bekannten Glaubensbekenntnisse stets weitere Doctrinen und Lehren enthalten, die so nicht in der Bibel formuliert sind oder nur impliziert oder explizit erwähnt sind. Oder schlicht mit Details versehen, die früher einfach nicht wichtig waren.

Wer sich das apostolische Glaubensbekenntnis ansieht, erkennt viele Namen und Details, denen die ersten Christen offensichtlich wurscht waren. Falls es ihnen überhaupt wichtig war, ihren Glauben in einem Satz zusammenzufassen.

Glaubensbekenntnisse in der Bibel

Aber ja. Es gibt Zusammenfassung des christlichen Glaubens (“Glaubensbekenntnisse”) auch in der Bibel. Sie klingen nur anders, als die Glaubensbekenntnisse von heute.

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. […] Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“

Apostelgeschichte 2,32-36

Kein Pontius Pilatus, keine Kirche, keine Erwähnung der Dreieinigkeit von Gott, Nur das Jesus unseren Hintern (in diesem Fall: Speziell Israel) gerettet hat. Aber! Wenn man der Bibelforschung glauben darf (und das kann man in diesem Fall ganz gut) kann man davon ausgehen, dass die Briefe von Paulus vor der Apostelgeschichte geschrieben worden sind. D.h. der Inhalt dieser Briefe ist älter, als die niedergeschriebene Version der Apostelgeschichte.

Das heißt in diesem konkreten Fall, dass wir das älteste christliche Glaubensbekenntnis im 1. Korintherbrief 15,3ff finden:

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

1. Korinther 15

Nicht nur handelt es sich um das wahrscheinlich älteste christliche Glaubenkenntnis überhaupt, sondern es ist ein Beleg dafür, dass bereits von der Niederschrift in der Bibel dieses Bekenntnis im Umlauf war. Der erste Satz deutet darauf hin, dass Paulus diesen Satz von irgendwo her bekommen hat.

Auslegung des Glaubensbekenntnisses der Bibel

Interessant dabei ist das Wort “empfangen”, welches in vielen Übersetzungen verwendet wird. Einige Bibelforscher gehen davon aus, dass er diese Worte irgendwo von irgendwelchen Gemeinden aufgeschnappt und verwendet hat.

Dies unterschlägt aber die Rolle als Apostel von Paulus und seine spezielle Verbindung zu Gott, Laut der Jamieson Fausset Brown Bible Commentary können wir davon ausgehen, dass “empfangen” hier “von Gott empfangen” bedeutet. Wobei nicht klar ist, ob die Erkenntnis bzw. die Essenz über Jesu Tod und Auferstehung von Gott kam oder gleich der ganze Satz von Gott inspiriert wurde.

Da möchte ich allerdings kein Fass aufmachen. Denn die Diskussion wie die Bibel von Gott inspiriert wurde, ist eine große und komplizierte Diskussion für sich. Wichtig ist: Der Inhalt des Satzes ist so von Gott gewollt.

Natürlich ist es möglich, dass Paulus diesen Satz bereits mündlich in seinen Lehren verbreitet hat und dieses kleine Bekenntnis mündlich durch die christliche Welt wanderte. In dem Brief aber haben wir die erste Erwähnung.

Die anderen Sätze des Bekenntnisses sind etwas leichter einzuordnen: Die “Schrift” meint hier das alte Testament, genauer: Die Propheten, die das Kommen von Jesus Christus angekündigt haben. Zum allgemeinen Verständnis ist es auch hier nicht wichtig, welche Propheten genau. Es ist wichtiger zu verstehen, dass Paulus ein gebildeter Jude war, der vermutlich das alte Testament wie seine Westentasche kannte.

Wenn so einer also sagt: Das was passierte, wurde bereits angekündigt hat es ein ganz anderes Gewicht, als wenn irgendwelche Fischer und Handwerker dies sagten (was die anderen Apostel ja waren) Obwohl Paulus vermutlich am intellektuellsten vermutlich eher in der Lage war Juden zu überzeugen, schickte ihn Gott aus Heiden zu bekehren – aber das mal nur so am Rande.

Dieser Vers der Bibel schreibt weiter von “den Zwölf” und “Kephas”. “Kephas” ist griechisch und meint “Fels”, also wird hier Petrus gemeint sein, der von Jesus “mein Fels” genannt wird. “Die Zwölf” sind die Apostel insgesamt. Jetzt fragt mich nicht, warum es “Petrus dann den Zwölf” heißt.

Man könnte lesen: Er erschien Petrus und dann zwölf anderen Aposteln. Wobei mir nicht ganz klar sein sollte, wer der zwölfte ist, wenn Petrus nicht dazu gezählt wird. In dem bereits oben erwähnten Bibelkommentar wird behauptet früher hieß es “die Elf” und der einfachheitshalber wurde auf 12 aufgerundet. Warum auch immer.

Ich persönlich denke, es ist wie bei “Lukas und die wilde 13”: Es sind zwölf Leute und der Kapitän (wobei der Kapitän ein Teil der 12 ist und doppelt gezählt wird)

Letzten Endes dürfte es auch egal sein wie viele der Originaljünger hier als Zeugen aufgerufen werden: Alle werden als valide Zeugen der Auferstehung von Paulus und damit der Bibel betrachtet. Ich denke manchmal darf man sich das Leben sehr einfach machen.

Zusammenfassung

Die Zusammenfassung: Das vermutlich älteste Glaubensbekenntnis wurde von Paulus aufgeschrieben und wurde von Gott direkt inspiriert. Anders als z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis räumt es dem Zeugnis der Jünger großen Platz ein.

Weitere Hilfen und Literatur

Der evangelische Glaube kompakt – Dieses Buch verarbeitet das Westminster Glaubensbekenntnis und stellt andere bekannte Lehrmeinungen und Bibelstellen daneben. Dieses Buch kann im Detail erklären wie der christliche Glaube heute zu verstehen ist – aber Achtung! Nur für Leute geeignet, die wirklich tief hinen tauchen wollen! > Zum SCM Shop

Der Heidelberger Katechismus – Dieses Buch fasst zusammen was im Jahre 1563 als Bekenntnisschriften für reformierte Kirchen als Grundlage galt. Quasi ein Super-Glaubensbekenntnis. Sehr wertvoll für alle, die den Ursprung heutiger Lehren erfahren wollen > zum SCM Shop

Darlegung der christlichen Lehre – Knapp 100 Jahre später in England wurde dieses Werk erschaffen und bringt die Gesichtspunkte der Puritaner auf den Punkt. > zum SCM Shop

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