Fundamente des Glaubens

Homosexualität im Christentum – Wirklich so schlimm?

In diesem Artikel geht es um ein sehr schwieriges Thema: Homosexualität. Ist es okay, dass ein Christ schwul ist? Ist es okay, dass sie lesbisch ist? Was sagt die Bibel? Beten wir dafür, dass die folgenden Worte ohne Hasse verstanden werden…

Homosexualität und Sex ist in der Bibel ein Thema. Ein ausschweifendes Sexual-Leben, egal ob homosexuell oder mit mehreren Menschen, wird als Nicht-Christlich eingestuft – aber ich denke, es ist kein klares Anzeichen, ob jemand errettet ist oder nicht. Und ja: Auch diese Menschen werden von Gott geliebt.

Homosexualität im Alten Testament

Wenn wir von Homosexualität in der Bibel bzw. im Christentum sprechen, kommen wir nicht umhin den Vers in der Bibel zu diesem Thema zu bemühen, der bei diesem Fall immer zu Rate gezogen wird:

Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.

3.Mose 18,22

Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide haben den Tod verdient; ihr Blut kommt auf sie selbst.

3.Mose 20,13

Auch wenn es nicht gerade der heutigen Sprache entspricht: Das alte Testament ist an dieser Stelle sehr klar, was das Verhältnis zwischen Männern angeht. Frauen werden dabei nicht erwähnt.

Doch ist es ein Fehler diese Verse aus dem Alten Testament zu ziehen und diese komplett auf heute anzuwenden – dann müssten diejenigen auch gesteinigt werden. Doch das wird offensichtlich nicht getan. Auch sind diese Verse nicht auf Frauen anzuwenden – sondern nur auf Männer.

Um diese Gesetze zu verstehen, muss man sich zwingend im Kontext des alten Testamentes verstehen – das heißt nicht, dass sie komplett verworfen werden, sondern “nur” anders gesehen werden. In diesem Fall heißt das:

Diese Gesetze sind Teil eines Staates. Die allermeisten Gesetze im alten Testament müssen als solche angesehen: Als Gesetze eines Staates, der bestimmte Verbrechen bestraft und für bestimmte Vergehen bestimmte Strafen aussprechen muss. (Und zwar die des Staates der Juden) Das verzwickte dabei in der Bibel ist Folgendes:

Diese Gesetze wurden direkt von Gott gegeben und sind eine direkte Anweisung von Gott, dass die Mitglieder seines Staates eben diese auszuführen hätten. Es gibt viele außerbiblische Erklärungen dafür warum diese Gesetze so da stehen, wie sie stehen. Das Problem: Sie sind ausserbiblisch.

Die Wahrheit ist: Wir als Menschen wissen nicht, warum die Gesetze sind, wie sie sind. Wir wissen nur, dass es Gottes Wille ist, dass diese Gesetze für den Staat Israel (zu der Zeit) gelten.

Können wir deshalb diese Gesetze des Alten Testaments beliebig ignorieren?

Nein. Der moralische Aspekt bei der Sache bleibt.

Anwendung der Gesetze des Alten Testamentes bezüglich Homosexualität im Neuen Testament als Christ

Wenn wir diese obigen Verse nicht direkt auf heute Anwenden können – was bringen sie dann noch eigentlich? Als Christen sollten wir die ganze Offenbarung Gottes an uns Menschen ansehen. Das heißt wir sollten gucken, was das Neue Testament zu dieser Sache sagt.

Es besagt nämlich, dass die Gesetze nicht mehr gelten, sie aber nach wie vor als moralischer Spiegel für die Verfehlnisse der Menschen gelten. Oder anders: Der Staatscharakter in den Schriften das AT ist nicht mehr relevant. Vielmehr sollen wir diese Vorschriften auf einer moralischen Ebene nehmen und diese als Mindest-Anforderung sehen, welche wir Menschen nicht erreichen können (weil wir Sünder sind)

Dies soll uns zu Erkenntnis bringen, dass wir nicht Perfekt sind und Fehlerhaft – und so nicht mit unseren eigenen Werken vor Gott bestehen können.

Die Bestrafung für diese Verfehlungen allerdings sollen wir Christen auch nicht über andere bringen (stark vereinfacht). Das überlassen wir Gott beim jüngsten Gericht. Wir sollen verzeihen und mit unserer Liebe zeigen, dass es auch eine andere -bessere- Lebensweise gibt.

Das heißt: Ja. Homosexualität ist eine Sünde. Es heißt nicht: Homosexualität ist die schlimmste Sünde. Ja. Es gibt verschieden schlimme Sünden. Nein. Homosexualität ist nicht die schlimmste von ihnen.

Moralische Vorstellungen der Homosexualität von Jesus Christus

Wenn man die sexuelle Vorstellung im Neuen Testament betrachtet und was das Ideal ist, wird es noch komplizierter, als im alten Testament. Jesus selber ist bei seinen Lehren davon ausgegangen, dass nur Mann und Frau heiraten und hat eine Lehre darüber gegeben wie das nun ist mit der Scheidung.

Wer mit wem schläft, war bei ihm persönlich kein Thema. Wenn man überhaupt etwas in diese Richtung denken will, dann doch die Tatsache, dass Jesus seinen Jüngern empfiehlt am besten gar nicht erst zu heiraten (was in dieser Zeit hieße: Kein Sex mit niemanden)

Jesus selbst hat also ein klares Bild: Sex nur zwischen Mann und Frau und dann auch nur in einer festen Gemeinschaft, damit auch niemand auf die Idee käme mit irgendwem anderen zu schlafen – egal mit wie vielen oder welchem Geschlecht.

Ob eine solche Person von Gott bestraft wird, sagt Jesus nicht. Dennoch sagt er, dass homosexuelle Praktiken gar nicht erst vorgesehen sind. Wenn man aber die Logik über Mord hier anführt, dann wäre die Vorstellung schwulen oder lesbischen Sex zu haben, für Gott genauso eine Sünde, wie die eigentliche Tat.

Ich denke Jesus macht keinen großen Unterschied bezüglich der Sünde zwischen der Tat an sich und dem denken über die Tat.

Weitere Lehre im neuen Testament über Schwule und Lesben

Springen wir ein wenig weiter in der Bibel, so stoßen wir auf die Briefe von Paulus, welcher im Auftrag von Christus neue Lehren verbreitete und den Sinn der Auferstehung von Jesus Christus erkläre. Diese erklärt, dass durch das Vertrauen in Jesus Christus alleine alle Sünden von Gott ignoriert werden und das Jesus für jede einzelne Sünde bezahlt hat.

Jede einzelne Sünde. Das schließt auch sämtliche sexuelle Sünde mit ein. Ja. Auch alle Sünden, die in homosexuelle Richtungen gehen.

Das heißt: Ja. Auch Homoexualität ist eine Sünde. Ja. Auch Homosexualität kann vergeben werden.

Heißt das, dass man einfach so wild weitermachen kann, wie bisher? Nein! Wenn eine homosexuelle Person zu Christ kommt, sollte diese auf den Heiligen Geist hören und sich von diesem leiten lassen. Dieser wird der Person zeigen, was zu tun ist.

Doch der HG leitet in diesem Prozess. Dieser entscheidet, wann welches Problem im Leben der Person angegangen wird – die Homosexualität ist zwar für Christen ein großer Dorn im Auge;- allerdings kann es der Heilige Geist wichtiger finden zuerst den Scheiß Charakter (falls vorhanden) der Person zu verbessern oder irgendwas anderes an der Person. der Gläubige allerdings sollte bereit sein diese Änderung zuzulassen und ggf. aktiv daran teilnehmen.

Üblichen Fragen und Antworten zu diesem Thema

Der obige Text wird nicht von allen Christen so gesehen und verdammen Homosexuelle direkt in die Hölle. Ich halte diese Haltung für Falsch und möchte an dieser Stelle übliche Einwendungen zu diesem Thema hier erläutern.

1.Korinther 6

Die Verse in Korinther 6 werden gerne als eine Art Beweis genommen, dass Homosexuelle automatisch nicht gerettet sind und auf keinen Fall Christen genannt werden dürfen.

Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben.

Es steht doch klar da? “Wer mit Jungen schläft, kommt nicht in den Himmel”. Wichtig ist hier: Der Kontext. Es ist keine Anleitung, wie sich die Menschen zu verhalten haben! Wenn man sich den Gesamtkontext der Bibelstelle anguckt, wird klar, was Paulus hier schreibt: Es ist eine Erinnerung und eine Mahnung daran den gewählten Weg (Richtung Christus) nicht zu verlassen und nach wie vor diesen Weg zu gehen. Ebenso erinnert er daran, dass diese Leute eben alle diese Dingen waren und dann durch Christus (bzw dem Heiligen Geist) errettet wurden. Der Satz direkt danach lautet:

Und solche gab es unter euch. Aber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes.

Er steigert das sogar noch weiter: Er sagt, dass unsere Körper Tempel des Heiligen Geistes sind. Gott wohnt also wortwörtlich in uns! Empfiehlt in den nachfolgenden Versen nach dringlich diesen Tempel nicht zu verunreinigen! Er sagt aber nicht: Wer den Tempel verunreinigt, der ist des Teufels. (Oder ähnliches)

Auch hier gilt: Ja. Homosexualität (bzw. die Praxis) ist eine Sünde, aber nichts kann von Gott trennen – weil er in einem wohnt.

Wie soll sich ein schwuler Mann als Christ verhalten? Wie soll sich eine lesbische Frau als Christin verhalten?

Wie exakt sich ein homosexueller Christ verhalten sollte, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Es spielt oft mehr rein, als nur die reine Sexualität. Oft ist auch das soziale Umfeld entsprechend in den “Szenen” drin und eine komplette Loslösung ist eine Zeitfrage und es wird viel Weisheit benötigt.

Hier sollte der homosexuelle Christ sehr viel beten, Gott um Weisheit beten und auf die Führung des Heiligen Geistes vertrauen. Dieser wird den richtigen Weg am Ende weisen.

Wer aber dennoch einen praktischen Tipp haben möchte: Die Bibel sieht sexuelle Praktiken nur unter Mann und Frau vor – und auch dann sollte Gott immer im Mittelpunkt stehen. (1.Korinther 7). Paulus beschreibt einen Idealfall, in dem eine Person nicht mehr sexuellen Gelüsten nachgehen muss. Er weiß aber, dass nicht jeder diese Fähigkeit (die Bibel spricht von Gabe) hat. Daher halte ich es für einen guten Tipp, dass ein homosexueller Christ prüft, ob er keusch (ohne Sex) leben kann.

(Ich weiß, dass es schwierig ist)

Aber man wird doch schwul geboren!

Woher die Homosexualität kommt, weiß ich nicht. Es ist anzunehmen, dass Menschen durchaus schwul geboren werden und so aufwachsen – aber das macht es noch lange nicht okay! Denn alle Menschen stecken in einem sündigen Körper und werden sündig geboren (und wenn man Katholik ist: Der Körper verführt zur Sünde).

Vereinfacht: Der Körper an sich ist schon kaputt. Das gilt für alle Menschen, nicht nur für Schwule. Bei homosexuellen Menschen prägt sich das nur im Sexualleben aus. Andere neigen zum Alkoholismus.

Schwule können doch gar nicht zu Jesus gehören!

Wer den Heiligen Geist in sich hat, der ist gerettet. Wenn man ausgerechnet Schwule von der Rettung ausschließen möchte, dann gibt es dafür keinen biblischen Beleg. Wenn Christen ohne Sünde wären, dann wären sie Heilige. Die allermeisten kriegen das schlicht nicht hin. Ich würde sogar so weit gehen, dass ein schwuler Christ, der die Nächstenliebe immer ausübt, ist eher Christ, als jemand der sich jedes Wochenende besäuft und ständig Leute anpöbelt und die Nächstenliebe ignoriert. (Beide allerdings sollten an sich arbeiten)

Dieser Beitrag wurde geschrieben von Alexander

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Lesbisch Schwul